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Enerige & Management > Recht - Hamburger „Zentrum für Ressourcen und Energie“ ein Fiasko
Quelle: Fotolia / Stefan Welz
RECHT:
Hamburger „Zentrum für Ressourcen und Energie“ ein Fiasko
Wegen Verdreifachung der Kosten bei einem zentralen Baustein der Hamburger Energie- und Wärmewende prüft ein kommunaler Aufsichtsrat jetzt, das Ex-Management in Regress zu nehmen.
 
Das Bau- und Finanzdesaster bei Hamburgs neuer Müllverbrennungsanlage am Volkspark hat möglicherweise ein juristisches Nachspiel. Der Aufsichtsrat der Hamburger Stadtreinigung hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in einer Sondersitzung am 18. Juni beschlossen, rechtliche Schritte gegen das damals verantwortliche Management zu prüfen.

Konkret gehe es auch um den langjährigen Geschäftsführer Rüdiger Siechau. Er stand drei Jahrzehnte an der Spitze der Stadtreinigung Hamburg (SRH), war Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand gegangen. 

Das Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) wird seit April 2023 gebaut und sollte ursprünglich 2025 fertig sein. Doch das konnte nicht gehalten werden. Die am Anfang einkalkulierten Kosten in Höhe von rund 234 Millionen Euro stiegen auf 534 Millionen Euro, der Fertigstellungstermin rückte auf 2026 / 2027.

Ende April stellte sich dann heraus, dass alles noch schlimmer ist. Das Unternehmen will sich dazu nicht konkret äußern. Doch nach internen und externen Prüfungen ist nun unbestätigten Informationen zufolge von rund 750 Millionen Euro und weiteren jahrelangen Verzögerungen die Rede. 

Dem Aufsichtsrat sei noch bis Ende vergangenen Jahres von den verantwortlichen Managern mitgeteilt worden, dass alles nach Plan laufe, sagte die Aufsichtratsvorsitzende und Hamburger Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Die neue SRH-Chefin Daniela Enslein stellt die damalige Lage ziemlich anders dar als damals Siechau & Co.: „Weder die geplante Inbetriebnahme noch die Annahme, mit dem freigegebenen Budget auszukommen, entsprach den tatsächlichen Gegebenheiten.“ 
  Aber der Kohleausstieg ist gesichert

Das ZRE gilt als wichtiger Baustein der Hamburger Wärme- und Energiewende. Die Anlage soll künftig im Winter bis zu 75 Megawatt Fernwärmeleistung liefern und im Sommer - wenn weniger Wärme nachgefragt wird - bis zu 22 Megawatt Strom.

Senatorin Fegebank betonte, die Fernwärmeversorgung in der Stadt sei trotz der weiteren Verzögerungen gesichert. Und auch das im Juli 2027 geplante Stilllegen des in den 1960-Jahren erbauten Kohlekraftwerks Wedel habe Bestand. Wedel soll durch den noch im Bau befindlichen „Energiepark Hafen“ abgelöst werden. 

Die Müllverbrennungsanlage am Volkspark ist nicht das einzige Projekt, das im Zuständigkeitsbereich der Umweltbehörde aus dem Ruder gelaufen ist. So stiegen die Kosten der Klärschlammverbrennungsanlage Vera II im Hafen von ursprünglich 196 Millionen auf inzwischen 297 Millionen Euro. Einschließlich zweier Parallelprojekte liegt das Budget sogar bei 325 Millionen Euro.
 

dpa
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Freitag, 19.06.2026, 17:58 Uhr

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